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Chronik

"Hilfe - Feuer"

 

Das mit Schilfrohr gedeckte Wohnhaus der Witwe Radvan steht in hellen Flammen.

In den zwischen 1810 und 1820 von Fürst Malte zu Putbus ausgestellten Hausbriefen der Selliner Fischer, finden sich erste Anhaltspunkte für einen organisierten dörflichen Brandschutz. Im § 6 heißt es:
"Zur eigenen Sicherheit ist der Hausbesitzer gehalten, das Haus in der Putbusser Brandkasse einzeichnen zu lassen und die Beiträge dahin zu leisten wenn ein Brandschaden auf  Rügen geschehet; auch muss derselbe sich wenigstens einen Feuerhaken im Hause halten und wenn Anordnungen, die das allgemeine Beste bezwecken von den Brandcommissaren gemacht werden, sind solche ohne Widerrede zu befolgen". Gleiches gilt für die Selliner Pachtbauern, die von der Herrschaft dazu verpflichtet, auf eigene Kosten die notwendigen Brand-Versicherungen abzuschließen und sich Feuergerätschaften anzuschaffen. Mit der Entwicklung Sellins zum Ostseebad, ins besondere abr durch den Bau von mehrstöckigen Hotel- und Pensionsgebäuden in der Wilhelmstrasse ab 1896, ist der örtliche Brandschutz völlig überlastet, unzureichend organisiert und zudem schlecht ausgerüstet.

Am 12. Juli 1896, morgens gegen 7.00 Uhr, werden die Bewohner und Badegäste in Sellin durch den Ruf: "Hilfe - Feuer", in größte Aufregung versetzt. das mit Schilfrohr gedeckte Wohnhaus der Witwe Radvan (Bernd Schmidt) in der Granitzerstrasse steht in hellen Flammen. Der Dachstuhl ist in kurzer Zeit in Asche gelegt. Nur mit Mühe gelingt es den zahlreichen Rettungskräften aus dem Ort und der Lanckener Feuerspritze, die Gäste aus den Giebelzimmern vor den Flammen zu retten. Große Anstrengungen macht es, das wenige Schritte entfernte Dankwardt´sche Logierhaus zu retten. Durch den herrschenden Ostwind sind bereits das Dach und der Balkon durch die Flammen angegriffen worden.Noch Schlimmeres passierte in der Nacht zum 16. November 1899, bei einer Feuersbrunst in der Wilhelmstrasse. Die neugebaute Konditorei des Herrn Möller (Villa Seerose), brennt durch die Explosion einer Petroleumlampe bis auf die Grundmauern nieder. Die Gefahr für das " in nächster Nachbarschaft gelegene Raßmus´sche Etablissement" (Villa Rugia), ist sehr groß.

 

Holz Der herbei geeilte Ortsvorsteher Hermann Holtz schickt reitende Boten um Hilfe in die umliegenden Ortschaften. Die Lanckener Spritze und die Binzer Freiwillige Feuerwehr können ein übergreifen der Flammen auf das Hotel verhindern. Für den Ortsvorsteher Holtz ist klar, das sofort etwas geschehen muss. Noch im Dezember des Jahres ordnet der eine Revision der vorhandenen Feuerlöschgerätschaften an. Jeder Hausbesitzer wird verpflichtet nach den § 16 bis 18 der Feuerlöschordnung vom 24. Januar 1877, folgende Gerätschften zu unterhalten: Eine Feuerleiter, einen tauglichen Feuereimer, einen Feuerhaken von 5 Metern Länge und eine gut verschlossene Laterne

 

 

 

 

 

 

 

Gründung
der Freiwilligen Feuerwehr Sellin

In der öffentlichen Bekanntmachung vom 4. Februar 1900 werden sämtliche Selliner Einwohner, insbesondere die Bewohner der Wilhelmstrasse in der Granitz aufgefordert, ihre Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit in einer Freiwilligen Feuerwehr auf einer Liste zu bekunden. R.Gutmann, F.Miebach, R.Oehlert, M.Druckrey, M.C.Richert, C.Thees, F.Töllner, W.Burmeister, W.Richert, R.Metzling, J.Möller, A.Oehlert, G.Bollwahn und C.Awe melden sich als mögliche Interessenten.Die Selliner Gemeindevertretung beschäftigt sich intensiv mit dem Projekt einer Feuerwehr. Man bittet den Fürsten zu Putbus, einen geeigneten Bauplatz für das benötigte Spritzenhaus kostenlos zur Verfügung zu stellen.

 

Schrift

 

FF Gründung

 

Am 21. September 1904 beschließen die Gemeindevertreter eine Feuerspritze Nr. 189 des Ewald´schen Kataloges zu 1495 Mark und einen Straßensprengwagen von 1500 l Inhalt nach den neuesten Modellen wie Nr. 106 des Kataloges zu kaufen.Zur Speisung des Wasserwagens, soll auf dem freien Platz vor der Villa Hoffnung (Familie Suhr) ein Abessinierbrunnen errichtet werden. Dieser Brunnen bleibt lange Jahre in Betrieb.

Am 11. April 1905 liegt der Beschluss der Gemeindevertretung zum Bau eines Spritzenhauses mit Remise für einen Wasser- und Sprengwagens, nebst zwei beheizbaren Arrestzellen vor. Wegen der Beschwerden einer Pensionsbesitzerin über den Baubeginn zur Saison beim Landrat, verzögert sich der Bau des Spritzenhauses bis in den Spätherbst. Die Spritze und der Wasserwagen müssen daher anderweitig untergestellt werden. Zusätzlich wird ein Angebot der Firma Martin in Marten i/W. für einen praktischen Steigerturm nebst Schlauch-Trockenapparat eingeholt, dessen Grundsteinlegung allerdings erst 3 Jahre später erfolgt.

 

Turm

Der Turm ist vier Etagen hoch und steht auf einem Fundament. Die untere Etage ist mit einem halben Stein ausgemauert. Innen befindet sich ein Trockenraum, verbunden mit einer mechanischen Schlauchwäsche und einer Vorrichtung zum Trocknen der Schläuche", weiß die Zeitung zu berichten. Doch die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr verzögert sich durch unglückliche Umstände. In einem ersten Anlauf wird zwar im Mai 1905 der Amtsvorsteher Holtz zum 1. Vorsitzenden und der Besitzer des Zentralhotels Hölti Möller, zum Hauptmann der Selliner Freiwilligen Feuerwehr gewählt, allerdings löst sich die Wehr, durch die schwere Erkrankung von Hermann Holtz noch in der Gründungsphase wieder auf. Endlich kann am 6. Februar 1906 im Waldhotel (Selliner Hof), im Beisein des Kreisbrandmeisters Noack, die Gründungversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Sellin stattfinden. Der 1. Schöffe der Gemeindevertretung Sellin, der Hotelier Carl Richert leitet die Versammlung. Zum Vorsitzenden der Feuerwehr wird der Besitzer des Ostsee-Inselsanatoriums, Dr. med. Paul Kruschewsky und zum Hauptmann der Malermeister Ludwig Subklew gewählt. Noch im selben Jahr kann die Wehr aus Spenden und eigenen Mitteln eingekleidet werden. Wie rasch und positiv sich die Selliner Wehr entwickelt, zeigt ein Bericht im Kreisblatt vom 19. Oktober 1908: "Am Mittwoch dem 16. des Monats hielt der Verein Freiwillige Feuerwehr zu Sellin seine Statuten gemäße Generalversammlung ab. Beim 1. Punkt der Tagesordung wurde vom Kameraden Vorsitzenden der Jahresbericht in eingehender Weise erstattet. Aus demselben ist folgendes zu bemerken: Das zweite Vereinsjahr der Wehr zeigt eine gesunde Weiterentwicklung derselben. Betrug die Zahl der aktiven Kameraden am Ende des 1. Vereinsjahres 24, die der passiven 9, so belief sich die Mitgliederzahl am Ende des verflossenen Jahres auf 27 aktive und 21 passive. Im Ganzen hat der Verein also einen Zugang von 15. Kameraden. Im Vereinsjahr wurden abgehalten: 15 Versammlungen, 4 Generalversammlungen, 3 Vorstandssitzungen und 16 Übungen. Außerdem fanden einige Instruktionsstunden statt und drei Alarmierungen, unter letzteren befand sich eine wegen Schadenfeuer im Gemeindehause hinter dem Spritzenhause. Zum Bestand unserer Feuerwehr wurden am 24. Juli des Jahres ähnlich wie im Vorjahre ein Brückenkorso mit Feuerwerk und Musik veranstaltet, welches nach Abzug aller Unkosten einen Reingewinn von 133,02 Mark brachte.

 

An Verbesserungen der Ausrüstung unserer Wehr, welche das vergangene Vereinjahr gebracht, sind zu nennen: Neuanschaffung von weiteren 4 Metern Saugschlauch durch die Gemeinde Sellin und desgl. 40 Meter Druckschlauch, sowie eines zweirädrigen Wasserwagens von 600 Liter Inhalt. Ein Samariterkasten, sowie ein 20 Meter langer Rettungsschlauch sind auf Vereinskosten in Bestellung gegeben. Am 5. Juni konnten die aus Berlin eingetroffenen 24 Gendarmeriemäntel und 30 Umhänge zur Ausgabe an die Kameraden gelangen ... . ... Es wurden wieder, resp. neu gewählt: Zum Vorsitzenden Kameraden Dr. med. Kruschewsky, zum Hauptmann Kamerad Ad. Oehlert, zum stellvertretenden Hauptmann Kamerad M. Lange, zum Oberfeuerwehrmann Kamerad C. Schmidt, zum stellvertretenden Oberfeuerwehrmann Kamerad W. Paetow, welcher zugleich zum Schriftführer gewählt wird, zum Kassenführer Kamerad Kramer, zum stellvertretenden Schriftführer und Beisitzer Kamerad C. Ehlert, zum Beisitzer Kamerad Joh. Möller. Außerdem wurde Kamerad Brand zum Zeugwart wieder- und die Kameraden Jakob Koos und Fr. Zobel zu Kassenrevisoren neu gewählt Vereinslokal bleibt das Waldhotel. Zum Schluss wurden noch einige interne Angelegenheiten erörtert und auch teilweise darüber Beschluss gefasst".

 

1905 Die Selliner Gemeindevertretung fasst den Beschluss zum Bau eines Spritzenhauses. Bei der Firma Ewald in Cüstrin werden eine Feuerspritze und ein Wasserwagen bestellt. Beide Fahrzeuge sind bereits im Juni angeliefert worden.

1906 Am 18. Februar findet im Centralhotel die Gründungsversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Sellin statt. Zum Vorsitzenden der Feuerwehr wird Dr. med. Paul Kruschewsky und zum Hauptmann der Malermeister der Ludwig Subklew gewählt.

1907 Die Mitgliedszahl beträgt am Ende des ersten Vereinsjahres 24 aktive und 9 passive Kameraden. Adolf Oehlert wird Feuerwehrhauptmann.

1908 24 Gendarmeriemäntel und 30 Umhänge sind an die Kameraden ausgegeben worden. Der Steigerturm wird gebaut. Der Landkreis bestätigt die Statuten der FFW Sellin.

1909 In Sellin findet am 12. September der 8. Vereinstag der Rügenschen Freiwilligen Feuerwehren statt.

1911 150 Mark sind für Uniformröcke und 181,40 Mark für einen Minimax-Handlöschapparat ausgegeben worden.

1913 Der 1. Vorsitzende Dr. med. Paul Kruschewsky übernimmt ebenfalls das Amt des 1. Brandmeisters.

1914 Auf einer Sondersitzung gibt Kamerad Peters bekannt, das die fehlenden Mitglieder zur Verteidigung des Vaterlandes in den Krieg gezogen sind. Erstmals gibt es keine Vorstandswahl.

1915 Es findet eine außerordentliche Versammlung zu Ehren und zum Andenken der gefallenen Kameraden Hermann Thees statt. Die Feuerwehrkameraden erheben sich von den Plätzen.

Am 17. Mai kommt es zu einem Brand auf dem Selliner Gutshof. Der Alarm wird durch die Kameraden Schälke und Awe ausgelöst. Frühmorgens um 3.04 Uhr ertönt das erste Hornsignal. Schon 3 Minuten später geben 2 Schläuche Wasser. Da die Bedachung aus Stroh bestand, können nur die Menschen und größtenteils das Vieh geretten werden. Die Gebäude brennen vollständig nieder. Aus der Umgegend sind alle Wehren vertreten.

1917 Es findet eine Versammlung der FFW zum Andenken an den im Felde gebliebenen 1. Vorsitzenden und 1. Brandmeister Kamerad Dr. med. Paul Kruschewsky statt.

1919 Begrüßung der aus dem Krieg zurück gekehrten Kameraden. Kamerad Peters erhält als Entschädigung für seine Dienste als Vereinsbote in Paar Stiefelsohlen und 25 Mark.
Die Prämien für die Pferde betragen im Ernstfall: für das 1. Gespann 20 Mark, das 2. Gespann 15 Mark und für das 3. Gespann 10 Mark.

1920 Vom Brand auf der Selliner Seebrücke, am 8. Juli vormittags 11.00 Uhr, berichtet Brandmeister Lange, das dieser von der Wehr und der Dampfspritze des Dampfers Hans August bekämpft wurde. Der Brückenkopf brennt nieder, doch der Brand kann auf den Entstehungsherd beschränkt werden.
Am 27. Juni wird eine Gedenktafel zu Ehren der gefallenen Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Sellin in feierlicher Weise übergeben. Die Funktion des 1. Vorsitzenden und des 1. Brandmeisters der Wehr werden vereidigt.

Seebrücke

 

1921 Aus Anlass des 15 Jährigen Stiftungsfestes ist die Verdienstlitze für 15 Jahre Mitgliedschaft, an den Kameraden Max Lange, Friedrich Peters und Wilhelm Brandt überreicht worden. 200 Mark Prämie kommen von der Fürstin zu Putbus für einen gelöschten Waldbrand.

1922 Der Wehr werden 2 Gasmasken gespendet. Für Kino und Theaterveranstaltungen sind ab sofort zusätzliche Feuerwachen einzuteilen.

1923 Infolge der Inflation beträgt der Kassenbestand: 11.897000,00 Mark- eine unvorstellbare Summe.

1924 Am 26. Februar, nachmittags 1.00 Uhr, werden die freiwillige und die Pflichtfeuerwehr durch die Gemeinde alarmiert, um die Überreste der durch Eissprengung zerstörten Seebrücke zu bergen.

1926 Der langjährige Feuerlöschkommissar und Amtsvorsteher Holtz ist feierlich als Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Sellin geehrt worden.

1927 Kamerad Witt stellt den Antrag eine Fahrradabteilung einzurichten, die den (Hand)Löschapparat befördert. 12 Kameraden der Wehr  beschließen zum Empfang des Reichspräsidenten Hindenburg am 12. September mit einem Sonderzug nach Putbus zu fahren.

1928 Die Fahrradabteilung wird in Dienst gestellt. Am 9. September 1928 findet der 21. Verbandstag der Rügenschen Freiwilligen Feuerwehren wieder in Sellin statt. Die Selliner Kameraden demonstrieren ihr Können durch eine Angriffsübung auf das Strandhotel mit dem Rettungsschlauch.

 

Fahrrad

 

1929 Die FFW legt, laut Beschluss der Mitgliederversammlung, eine Stammrolle an. Die drohenden Beschädigungen an der Selliner Seebrücke durch Vereisung im März des Jahres werden zuerst von der Feuerwehr und dann von einem Sprengkommando der Reichswehr aus Stettin beseitigt

1934 Die Gemeinde kauft einen Daimler Benz Mannschaftswagen und eine Motorspritze vom Typ Triumph.

1944 Die Technik der Wehr wird, durch eine Kübel-Luftschaumspritze, zur Bekämpfung bei Phosphorbomben und Ölbränden in Kriegszeiten, ergänzt.

1945 Das Feuerwehrfahrzeug muß von Otto Kempe und dem Bürgermeister Kunert an die sowjetische Besatzungsmacht übergeben werden.

 

Neugründung
Neue Gründung und Bestimmung der Freiwilligen Feuerwehr Sellin nach 1945

 

Miebach

Im Selliner Feuerwehrarchiv befindet sich ein Schriftstück vom 12./13. Mai 1945 worin dem Bürgermeister Otto Wallis in russischer Sprache, durch den Chef der russischen Garnison Oberstleutnant Gladenko, die Benutzung seines Autos für die Durchführung seiner Tätigkeit erlaubt wird. Bei diesem Fahrzeug handelt es sich um den Mercedes der Selliner Feuerwehr. Wallis allerdings ist in dem Glauben, das es nicht beschlagnahmt werden darf. Ein Trugschluss wie sich bald herausstellt, denn die Motorspritze kann zum Brand einer Flüchtlingsbaracke nicht ausrücken, weil die Wehr kein Auto mehr besitzt. "Ist von den Russen abgeholt worden", beschwert sich Reinhold Miebach wörtlich in einem Brandprotokoll vom 26. November 1946. Vor dem Hintergrund der allumfassenden Entnazifizierung in der Sowjetischen Besatzungszone, müssen auf Befehl des Inselkommandanten bis Ende Dezember 1946 detailierte Charakteristiken der Mitglieder der Feuerwehr in doppelter Ausfertigung angefertigt werden.

 

Einige der Kameraden geraten ungerechtfertigt in Verdacht und quittieren den Dienst. Bei anderen, wie dem Wehrführer Albert Peters, besteht nach dessen Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft keine Verwendung mehr. Am 19. Januar 1947 kommt es zur Neubildung der Freiwilligen Feuerwehr Sellin. Zu diesem Zweck lädt der Bürgermeister am Sonntagvormittag um 10.00 Uhr zu einer Versammlung in das Central-Hotel ein. Eine Namensliste mit 34 Namen ist im Umlauf. Allerdings bestätigen nur 19 der aufgerufenen Selliner Bürger durch Unterschrift ihre Kenntnisnahme. Einer entschuldigt sich. Im Ergebnis der Versammlung treten folgende Mitglieder in die Freiwillige Feuerwehr Sellin bei deren Neugründung ein: Reinhold Miebach, Friedrich Saß junior, Paul Möller, Ernst Jasmann, Kurt Giertz, Helmut Schwiertzke, Hans Freese, Hans Jürgen Bors, Wilhelm Gielow, Erwin Neumann, Franz Subklew junior, Kurt Wolff, Edgar Kidrowski, Kurt Gielow, Werner Gohs, Rolf Anders, Werner Groth und Johann Orlowski. Aus ihrer Mitte wird Reinhold Miebach zum Wehrführer gewählt. Die neuen Struckturen und Handlungsmuster der freiwilligen Feuerwehren werden ein Jahr später als "Vorläufige Bestimmungen über den deutschen Feuerschutz in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands", durch den stellvertretenden Oberbefehlshaber der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland A. Kabanow festgelegt.


Ab sofort steht beim Feuerschutz der Schutz des Volkseigentums und die damit verbundenen Maßnahmen im Vordergrund des Handelns. Es ändern sich aber nicht nur die Zeiten und die Inhalte, sondern auch der Ton in Schriftstücken und Verlautbarungen. Um 1951 einen dringend benötigten Telefonanschluss für die Feuermeldestelle Quiram in der Seestrasse zu bekommen, schreibt der Vorsitzende  der Brandschutzkommission Kurt Giertz, an das Selliner Postamt: "Wir bitten den Antrag Quiram dringend zu bearbeiten, da der Anschluss unbedingt zur verlustlosen Einbringung der Ernte benötigt wird ... Wir dürfen erwarten, dass auch Sie uns im Kampf um die Erhaltung des Friedens und der Sicherung unserer Ernährung voll unterstützen werden". Als sich im Ort 1952 der Einbau von Feuersirenen verzögert, droht die Abteilung Feuerwehr beim Volkspolizei Kreisamt der Gemeinde in scharfem Ton: "Wir müssen bald annehmen, dass der Einbau der Sirenen bewusst sabotiert wird, um den Volksfeinden Vorschub zu leisten bei Sabotage und Anlegung von Bränden". Der örtliche Brandschutz beschränkt sich in Folge nicht mehr nur auf die Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr, sondern bekommt durch die Einbeziehung der Parteien, unter Führung der SED, und aller Massenorganisationen eine politische Dimension. Mit einem bisher nie gekannten organisatorischen Aufwand wie sich herausstellen wird. Hausbesitzer sind aufgefordert Kontrollbücher zum Brandschutz zu führen. Verstöße werden strafrechtlich verfolgt!


Der Bedarf an Brandschutzwachen zur verlußtfreien Einbringung der Ernte wird durch den Bürgermeister Wilhelms und den Wehrleiter Giertz auf der 1. Sitzung der neu gegründeten Brandschutzkommission am 10. Juli 1951 auf 110 Personen geschätzt. Dazu kommen 17 Feuerwehrleute in städiger Alarmbereitschaft und die 8 Kommissionsmitglieder als Kontrolleure. Ein Handzettel über die Einrichtung eines Druschplatzes muss von jedem Bauern gegen gezeichnet werden. Die Abstände zwischen Maschinen, Gebäuden und brennbaren Materialien, die Beschaffenheit von elektrischen Kabel und Sicherungen, der Umgang mit Treibstoffen und Schmiermitteln sind darauf genauestens festgelegt. Zusätzlich werden durch die Feuerwehr C-Schläuche bis an die Dreschmaschienen verlegt.

 

1945 Bürgermeister Kunert und Otto Kempe haben das Feuerwehrfahrzeug Mercedes an die Besatzungsmacht abgeliefert. Das Auto steht lange Zeit neben der Villa Rügen (zeitweise die russische Kommandantur) in der August-Bebel-Straße.

1946 Es brennt in einem Schuppen, der von Flüchtlingen bewohnt wird. Auf den durch Hornsignal und Sierene gegebenen Alarm, kommt kein Feuerwehrmann und auch keine Hilfsmannschaften. Die Motorspritze kann nicht ausrücken, weil die Wehr kein Auto mehr besitzt. Auf Befehl des Inselkommandanten werden mit sofortigem Vollzug, Charakteristiken der Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in doppelter Ausführung vom Kreisverband angefordert.
Endlose Flüchtlingsströme und damit einher gehende Übervölkerung in den ersten Jahren nach dem 2. Weltkrieg, machen die Sicherung der Ernährung für die Bevölkerung zur vorrangigsten Aufgabe. Viele staatliche Maßnahmen sind daher auf den Schutz der Ernte abgestimmt. Gleichzeitig bilden sich stalinistische Strukturen, sowohl in der Überwachung aller Lebensbereiche der Bevölkerung, als auch der beim Feuerschutz heraus.

1947 Durch die Landesverwaltung sind die Landräte aufgefordert, in den Kreisen Brandschauen durchzuführen. In jeder Gemeinde ist ein Mann einzusetzen, der die Brandsicherheitsmassnahmen zu überprüfen hat.
Feueralarm in Alt-Reddevitz am 11. Januar um 17.30 Uhr. Die Selliner Wehr rückt eine dreiviertel Stunde später aus, erst nachdem ein Fahrzeug als Vorspann für die Spritze besorgt worden ist. Die Wehr kam leider zu spät.
Nach einer Erklärung in der Landeszeitung vom 18. Januar, muss in jedem Ortspolizeibezirk eine leistungfähige und den örtlichen Verhältnissen entsprechend ausgerüstete Feuerwehr vorhanden sein. Sind mehrere Gemeinden zu einem Ortspolizeibezirk zusammengefasst, so haben Gemeindevorsteher, Brandschauer und Feuerwehrführer für genügend Feuerschutz zu sorgen.


Einladung des Bürgermeisters zur Neubildung der Freiwilligen Feuerwehr Sellin am Sonntag den 19. Januar 1947, vormittags um 10.00 Uhr ins Central-Hotel. Dabei eine Namensliste mit 34 Namen, wovon 19 bestätigen und einer sich entschuldigt. Richard Kleinschmidt und Friedrich Saß junior  werden als 1. Brandschauer in der Gemeinde Sellin eingesetzt.

 

VBestimmung

 

1948 Vorläufige Bestimmungen über den deutschen Feuerschutz in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands, durch den stellvertretenden Oberbefehlshaber der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland, A. Kabanow.

1949 Lehrmaterial für den Fachzirkel der FDJ in der DVP vom 14. Oktober 1949: Die steigende Produktion und der wachsende Lebensstandart der den Gegnern unserer antifaschistischen Ordnung, den Spionen, Saboteuren und Agenten, den Kriegsbrandstiftern eines Dritten Weltkrieges, ein Dorn im Auge ist, bedingt einen zuverlässigen Schutz unseres Aufbaues und unserer Produktionstätten.

1950 Die Aufstellung von Jugendlöschgruppen ist ein dringendes Gebot, wenn alle gestellten Aufgaben im vorbeugenden Brandschutz und zum Schutz der Ernte erfüllt werden sollen, teilt der Rat des Kreises Rügen den Gemeinden im August 1959 mit. Es wird zur Pflicht gemacht, gemeinsam mit der örtlichen Leitung der Freien Deutschen Jugend (FDJ) eine Jugendgruppe aufzustellen.

1951 Aufruf des Rates des Kreises Rügen an die Landbevölkerung: "Geht während der Stromsperren nicht mit offenem Licht in Stall und Scheune!
Dadurch bringt Ihr wertvolles Volksgut in Gefahr. Helft alle mit durch Eure Umsicht Brände zu vermeiden. Somit leistet Ihr einen wesentlichen Beitrag zur Erfüllung des Fünfjahresplanes."

1952 Bitte des Vorsitzenden der Brandschutzkommission Kurt Giertz an das Postamt, den Antrag auf ein Telefon für die Feuermeldestelle Quiram dringend zu bearbeiten, da der Anschluss unbedingt zur verlustlosen Einbringung der Ernte benötigt wird: "Wir dürfen erwarten, dass auch Sie uns im Kampf um die Erhaltung des Friedens und der Sicherung unserer Ernährung voll unterstützen werden." Letzmaliger Termin zum 7. August 1952 für den Einbau der Sirenen: "Sollten die Sirenen dann noch nicht aufgestellt sein, sehen wir uns gezwungen, die Gemeinde zur Bestrafung zu melden. Wir können uns nicht erlauben, dass durch das leichtsinnige Verhalten wertvolles Volksvermögen verloren geht. Wir müssen bald annehmen, dass der Einbau der Sirenen bewusst sabotiert wird, um den Volksfeinden Vorschub zu leisten bei Sabotage und Anlegung von Bränden."

1953 Aufruf des Rates des Kreises Putbus zur Erntesituation! "Sie wurden bereits vor einigen Wochen angewiesen, in den einzelnen Ortsteilen sowie Gemeinden Brandschutzwachen aufzustellen. Es wird wiederholt festgestellt, dass diese Wachen teilweise nur auf dem Papier stehen, aber nicht in Erscheinung treten. Verkennen Sie bitte nicht die grosse Aufgabe, denn die Feinde unserer Gesellschaftsordnung werden alles daran setzen, um die Einbringung unserer Ernte zu verhindern."

1954 Am 29. Juni brennt das bekannte und beliebte Cafe Lang an der Hochuferpromenade vollständig ab. Die Blätter der umstehenden grossen Buchen haben sich aufgrund der extremen Hitze herbstlich braun gefärbt.
1957 Protokoll über die Anschaffung des wehreigenen Fahrzeugs. "Am 7. Februar 1957 erhielt die FF Sellin Kenntnis davon, dass sich in Stralsund bei dem Kommando der Berufsfeuerwehr ein LKW-Fahrzeug Typ: 3,6 Opel Blitz befände, welcher aussortiert und verschrottet werden sollte. Durch die Vermittlung  der hierfür zuständigen Dienststellen konnte erreicht werden, dass dieses Fahrzeug der FF Sellin zugesprochen wurde.

1957 Protokoll über die Anschaffung des Wehreigenen Fahrzeugs.

Am 12. Februar 1957 machte sich der derzeitige Wehrleiter Oberbrandmeister Giertz und einige Kameraden der FF Sellin auf den Weg nach Stralsund, übernahmen dort das Fahrzeug und schleppten es nach Sellin/Rg. ab. Nun wurde in rastloser Eile und tatkräftiger Unterstützung durch den Rat der Gemeinde Sellin, besonders durch die Hilfe des Bürgermeisters Wilhelm Fahrenkroog, dieses Fahrzeug zu einem fast neuwertigen Löschfahrzeug der FF Sellin fertig gestellt. An diesen Arbeiten haben fast alle Kameraden mitgeholfen und in 748 freiwilligen Aufbaustunden durch die Männer der FF Sellin wurde dieses Werk erstellt. Die tatsächlichen Kosten belaufen sich auf ca. 2200,- bis 2500,- DM. Nach Schätzungen der Fachleute hat das Fahrzeug einen jetzigen Zeitwert von 12.000,- bis 14.000,- DM, so dass hier für den Rat der Gemeinde Sellin ca. 10.000,- bis 12.500,- DM an Neuwert durch die Initiative der Männer der FF Sellin geschaffen wurden. Die Krönung und Anerkennung ihrer Leistungen vom Rat der Gemeinde Sellin erhielt die FF Sellin am 30. April 1957 durch die Übergabe einer Fahne und durch eine Prämie von 100,- DM vom Rat des Kreises Rügen."

 

Blitz

 

Am 1. Mai 1957, dem Kampftag der Werktätigen, wird das neu aufgebaute Fahrzeug Opel Blitz durch den Bürgermeister Wilhelm Fahrenkroog an den Oberbrandmeister Kurt Giertz und die Freiwillige Feuerwehr Sellin feierlich übergeben. Eine Löschgruppe der Wehr nimmt an den Ausscheiden, für die Wettkämpfe der Zentralkommandos im Bezirksmaßstab, am Baaber Bollwerk, teil. Anlässlich der 40 Jahr Feier der großen Oktoberrevolution im Bräustübl, erhält die Wehr für geleistete Arbeiten innerhalb des nationalen Aufbauwerkes die goldene Ehrennadel und eine Urkunde.

1958 Anlässlich des Stiftungsfestes am 22. Februar wird durch das Ehrenmitglied Walter Paetow ein Bild aus den Gründungsjahren der Wehr übersandt. Am 16. September können die neuen Sirenen ihrer Bestimmung übergeben werden. Eine steht beim Kameraden Willi Miebach in der Hauptstrasse, die andere ist auf dem Kurplatz aufgestellt.

1959 Innerhalb des Nationalen Aufbauwerks tritt die Feuerwehr geschlossen an, um längs der Ostbahnstrasse die großen Bäume für einen festen Bürgersteig zu roden. Das anfallende Brennholz wird unter den Kameraden aufgeteilt.
Am 16. Dezember stellt sich der neue Bürgermeister Fritz Kuhnke den anwesenden Kameraden im Sporthaus vor. Er hält eine Rede zum politischen Zeitgeschehen und zur Bedeutung der Feuerwehr.

1960 In den Nachmittagsstunden des 24. April kommt es in der Evangelischen Kirche in Sellin zu einem Brand. Trotz des sofortigen Einsatzes der fünf Freiwilligen Feuerwehren aus Sellin, Baabe, Göhren und Bergen kann nicht verhindert werden, das der Dachstuhl völlig ausbrennt und das Kircheninnere stak in Mitleidenschaft gezogen wird.

 

Kirche

 

1963 In diesem Jahr treten die ersten Frauen in die FFW ein: Filomena Christa, Marie Scholz, Kamilla Scholz und Gertrud Schaffer. Die Frauengruppe erweitet sich schnell. Die Aufgabe der Frauengruppe ist der vorbeugende Brandschutz durch gründliche Brandschutzkontrollen in der Gemeinde. Eine Arbeitsgemeinschaft Junger Brandschutzhelfer in der FFW Sellin wird gegründet. Die Jungen gewinnen 1966 bei einem Wettbewerb aller Wirkungsbereiche auf der Insel Rügen den ersten Preis, eine Motorspritze Typ TS-III und sind 4x in Folge Kreismeister.

1968 Durch die orkanartigen Stürme am 12. Januar, ist die Uferpromenade mehrfach unterspült und zerstört worden. Große Teile der Bedachung am Hotel Frieden sind herabgestürzt und werden von der Selliner Feuerwehr gesichert.
Im Gruppenwettkampf am 16. Juni in Ralswiek haben alle Gruppen der FFW Sellin ihr Bestes  gegeben: 1. Platz für Pioniergruppe, 2. Platz für Frauengruppe, 5. Platz für Männergruppe

1969 Beim Kreisausscheid der Pioniere am 22. Juni in Sellin belegen die Pioniere in allen 3 Disziplinen den 1. Platz

1972 Ein fabrikneuer Robur "LO-LKW 1800" Mannschaftstransportwagen mit Schlauchwagen wird vor dem Gemeindeamt feierlich übergeben und in Dienst gestellt.

1978/79 Zum Jahreswechsel kommt es zu einer nie da gewesenen Katastrophe in weiten Teilen des Landes. Ein Orkan mit heftigem Schneefall bei extrem niedrigen Temperaturen, lässt die Insel meterhoch im Schnee versinken. Eine Versorgung ist nur noch aus der Luft möglich. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr sind tagelang ohne Unterbrechung im Katastropheneinsatz.


Unter dem Titel: "Unser Kampfziel - die Halbinsel Mönchgut zu erreichen!", berichtet die Ostsee-Zeitung vom 4. Januar 1979 über den aufopferungsvollen Kampf von 4 Schneefräsen mit Besatzungen aus dem Bezirk Karl-Marx-Stadt und von 2 Panzern der Nationalen Volksarmee gegen die extremen Schneeverwehungen. Am 2. Januar gegen 21.30 Uhr beginnen die Räumarbeiten in Richtung Sellin-Göhren. Erst 2 Tage später ist die Strecke einspurig, durchgehend befahrbar.


Am 4. Januar um 11.30 Uhr kommt die Weisung, innerhalb einer halben Stunde einen Konvoi aller in Sellin befindlichen Urlauber mit Kfz zusammenzustellen. Mit Unterstützung des Lautsprecherwagens der FFW Sellin gelingt die Benachrichtigung in kürzester Zeit. Pünktlich um 12.00 Uhr steht ein Konvoi aus 232 Fahrzeugen, zusammen mit dem Konvoi aus Baabe und Göhren, am Bahnübergang zur Seestrasse zur Abfahrt bereit.
Mit Unterstützung eines Panzers und Fahrzeugen der Volkspolizei gelangen alle sicher nach Stralsund.

 

Winter

 

1986 Zum 80. Stiftungsfest der Selliner Freiwilligen Feuerwehr gibt es im Ort einen historischen Umzug mit dem Spritzenwagen von 1905 an der Spitze. Auf dem Sportplatz beweisen die Kameraden in einem Löschangriff die hervorragende Einsatzbereitschaft der alten Technik.

1990 Noch einmal kann die Wehr einen ROBUR-Feuerlöschfahrzeug LO 2002 A mit Allradantrieb aus dem Feuerlöschgerätewerk in Luckenwalde in Empfang nehmen.


Anfang der 1990er Jahre kommt es im Ostseebad Sellin, wie fast überall im Land, vielfach zu Bränden. Aufgrund ungeklärter Besitzverhältnisse, werden besonders leerstehende Gebäude durch Brandstiftung  ein Opfer der Flammen oder durch Vandalismus zerstört. Der Begriff: "Heiße Sanierung", macht die Runde.

1994 Das ehemalige Klubhaus des FDGB wird der expandierenden Feuerwehr zum Ausbau zur Verfügung gestellt. Insgesamt 2115 Stunden freiwillige Arbeit leisten die Kameraden beim Um- und Ausbau. Die neue Feuerwehr verfügt über eine Garage mit vier Rolltoren für die moderne Technik sowie über einen Sanitärtrakt und einen Versammlungsraum.

1995 Am 17. November bekommt die Wehren des Amtes Mönchgut-Granitz eine kraftbetriebene Drehleiter mit 3 Bordcomputern, DLK 23/12- PLC 3 der Firma Metz in Karlsruhe, die von den Kameraden der Selliner Freiwilligen Feuerwehr betreut und eingesetzt wird.

1998 In diesem Jahr ist ein Löschgruppenfahzeug LF 8/6 Mercedes, durch die Gemeinde angeschafft worden. Das Fahrzeug verfügt über einen 600 Liter Löschwassertank und ist speziell für die Brandbekämpfung und die technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen ausgerüstet.

 

LF8

 

2004 Zum 90. Geburtstag des Ehrenmitgliedes und Oberbrandmeisters Franz Streck am 14. März rückt eine Ehrenformation der Selliner Freiwilligen Feuerwehr aus, um ihm für seine 48 jährige treue Mitgliedschaft zu danken und zu gratulieren.

2006 Am 18. Februar war es soweit, die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Sellin begehen das 100. Stiftungfest mit einer Feier im Gerätehaus. An diesem Tag konnte die Wehr ihre neue Fahne aus der Hand des Bürgermeisters Reinhard Liedke in Empfang nehmen. Obwohl in dieser Zeit die Vogelgrippe im Land grassierte fanden viele Gratulanten Zeit diesen Tag mit den Kameraden der Wehr feierlich zu begehen. Einen würdigen Abschluß dieses Tages fanden die Kameraden am Abend im Cliff-Hotel. Im Juli diesen Jahres wollten die Kameraden der Selliner Freiwilligen Feuerwehr es sich nicht nehmen lassen, ihren 100. Geburtstag mit den Anwohnern und Gästen des Ostseebades zu feiern. Mit einem historischen Umzug sowie einem großen Fest im Seepark wurde dieses Ereigniss gefeiert in dessen Mittelpunkt die Weihe der neuen Fahne stand, welche vom Bürgermeister Liedke, dem Wehrführer Engelbrecht, dem Kreisbrandmeister Maaske sowie Herrn Pfarrer Rosenow durchgeführt wurde und bei welcher die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Putbus Fahnenpate standen.

 

Kruschefski  
Dr. med. Paul Kruschewsky
1. Vorsitzender 1906-1917
1. Brandmeister 1913-1915
 
       
   
Malermeister Ludwig Subklew
Hauptmann 1906
 
       
   
Hotelbesitzer Adolf Oehlert
Hauptmann/ 1. Brandmeister 1907-1912; 1915-1918
 
       
Lange  
Schuhmachermeister Max Lange
1. Vorsitzender 1920-1926
1. Brandmeister 1912-1913; 1919-1929
Ehrenmitglied 1948
 
       
Holtz  
Amts- und Ortsvorsteher Hermann Holtz
Feuerlöschkommissar
1. Vorsitzender 1927-1928
Ehrenmitglied 1926
 
       
   
Zimmermeister Friedrich Peters
1. Brandmeister 1929-1930
Ehrenmitglied 1948
 
       
Groth  
Bierverleger Franz Groth
1. Brandmeister 1931-1938
 
       
   
Schlächtermeister Ehrenfried Peters
1. Brandmeister/ Wehrführer 1938-1942
 
       
Peters  
Zimmermeister Albert Peters
Wehrführer 1942-1944
Mit ihm bekommt Sellin in den schwierigen Kriegszeiten einen äußerst versierten Wehrführer. Er hat sich erfolgreich für seine Aufgaben auf einer Feuerwehrschule qualifiziert.
 
       
Miebach  
Häusler und Fischer Reinhold Miebach
Wehrführer 1946-1948
Ehrenmitglied 1948
Er hat mit den "unbelasteten" Resten der Wehr bereits 1946 vorgestanden. Drängt die staatlichen Stellen immer wieder zur Anschaffung eines eigenen Feuerwehrfahrzeuges.
 
       
Jasmann  
Landwirt Ernst Jasmann
Wehrführer 1948
 
       
Willy Peters  
Zimmermeister Willy Peters
Wehrführer 1948
Beide sind erfahrene Feuerwehrleute und halten die Kameraden in den schwierigen Nachkriegszeiten zusammen.
 
       
Giertz  
Klempnermeister Kurt Giertz
Wehrführer 1949-1958
Er führt die Selliner Wehr seit der Gründung der DDR. Seine Verdienste liegen beim Aufbau des vorbeugenden Brandschutzes in Sellin. Die Selliner Jugendwehr der FDJ entsteht unter seiner maßgeblichen Beteiligung im Jahre 1950.
 
       
Gohs  
Tischlermeister Werner Gohs
Wehrführer 1958-1963
Uneigennützig stellt Tischlermeister Gohs sich und seine Werkstatt für den Aufbau eines alten Opel Blitz zu einem Lösch- und Mannschaftstransportwagen zur Verfügung.
 
       
Zirbell  
Reichsbahnangestellter Heinrich Zirbel
Wehrführer 1963-1966
Unter seiner Leitung gründete sich die Frauengruppe und die Arbeitsgemeinschaft "Junge Brandschutzhelfer" die 1966 eine eigene Spritze TS-3 beim Jugendwettbewerb aller Rügenschen Wirkungsbereiche gewinnen kann.
 
       
Hildebrand  
Gemeindeangestellter Wilhelm Hildebrand
Wehrführer 1966-1968
Als Kraftfahrer des Gemeinde LKW "Phänomen 27" garantiert er mit seinem Fahrzeug die Einsatzbereitschaft und steht als Vorspann für Übungen und Einsätze jederzeit zur Verfügung.
 
       
Moritz  
Malermeister Herbert Moritz
Wehrführer 1968-1987
Ehrenmitglied
19 Jahre lang formt H. Moritz die FFW Sellin zu einer schlagfertigen und einsatzbereiten Wehr. In seine Amtszeit fällt die Übergabe des LO-Feuerlöschfahrzeuges durch die Gemeinde.
 
       
Krüger  
Maler Walter Krüger
Wehrführer 1987-1989
Ehrenmitglied
Hat bereits 1974-76 den Lehrgang für Wehrleiter erfolgreich absolviert. Übernimmt das Erbe von Herbert Moritz als Oberbrandmeister und mit einer mehr als 20 jährigen Erfahrung.
 
       
Klaus jasmann  
Elektriker Klaus Jasmann
Wehrleiter 1990
Kamerad Jasmann stellt sich 1990, in der Zeit der Wiedervereinigung, als Wehrleiter zur Verfügung. Das zweite LO-Löschfahrzeug wird in diesem Jahr in Dienst gestellt.
 
       
Engelbrecht  
Installateur Manfred Engelbrecht
Wehrführer seit 1991
Er stellt sich der Herausforderung eine neue Wehr mit verändertem Einsatzprofil und moderner Löschtechnik zu formen.

 

Die Jugendfeuerwehr

 

Jugend

 

"Neben den freiwilligen Feuerwehren, ist die Aufstellung von Jugendlöschgruppen ein dringendes Gebot, wenn alle gestellten Aufgaben im vorbeugenden Brandschutz und zum Schutz der Ernte erfüllt werden sollen", heißt es in den Amtlichen Mitteilungen des Kreises Rügen vom 5. August 1950.


Den Gemeinden wird es zur Pflicht gemacht, gemeinsam mit der örtlichen Leitung der Freien Deutschen Jugend (FDJ) eine Jugendgruppe aufzustellen. Der Selliner Wehrführer Giertz meldet am 25. November, dass demnächst die Aufstellung der Jugendwehr  durch den FDJ- Kreisbeauftragten erfolgen wird. Herbert Schaffer und Werner Gohs sind die ersten Verantwortlichen für die praktische Ausbildung der Gruppe. Helmut Schwiertzke, einer derjenigen die damals mit dabei waren, berichtet, dass es bei den Wettkämpfen als Preis ein Paar Schuhe für den Sieger gab. Seine Karriere in der Selliner Feuerwehr startete er als Läufer der innerhalb der Wehr wichtige Mitteilungen zu überbringen hatte. 1963 beginnt die Freiwillige Feuerwehr in Sellin mit der gezielten Werbung bei den Kindern und Jugendlichen in der Schule. Dadurch soll auf lange Sicht der notwendige Nachwuchs für den aktiven Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr sichergestellt werden.


Mit 10 Jahren kann ein Schüler bereits Brandschutzhelfer werden. Die Übernahme in den aktiven Dienst erfolgt mit 16 Jahren. Hans Quiram wird zum ersten Ausbilder der Arbeitsgemeinschaft "Junge Brandschutzhelfer" in der FFW Sellin berufen. Durch seine hervorragende Arbeit mit den Jugendlichen kann 4x in Folge der Kreismeistertitel gewonnen werden. Unvergessen geblieben sind die jährlichen Schauvorführungen zum Internationalen Kindertag am 1. Juni auf der Hammelwiese oder auf dem Sportplatz. Alle sind bei diesen besonderen Anlässen bemüht, ihr bestes zu geben. Zum Höhepunkt der Jugendarbeit in diesen Jahren wird der Sieg beim Jugendwettbewerb aller 10 Wirkungsbereiche der Feuerwehren der Insel Rügen im Jahr 1966. Dazu muß man sich nicht nur körperlich im Umgang mit der Kübelspritze und in der praktischen Ausbildung beweisen, sondern auch ein Wissenstoto absolvieren und einen Schaukasten oder eine Ausstellung zum Brandschutz gestalten. Der Lohn für die Selliner Jungen ist der 1. Preis, eine eigene Motorspritze vom Typ TS-3. Trotz einiger Rückschläge ist die Jugendarbeitin Sellin über die Jahre kontinuierlich und erfolreich fortgesetzt worden.


Die Arbeitsgemeinschaft "Junge Brandschutzhelfer" hat bis 1989 Bestand gehabt. Nach Hans Quiram übernehmen andere, wie Wilhelm Hildebrand, Herbert Moritz, Hans Günter Kowalski, Manfred Engelbrecht und zuletzt Ralf Steinwedel die Verantwortung für die Jugendarbeit. Die Jahre nach der Wiedervereinigung bringen tief greifende Veränderungen in der Ausbildung und bei der Ausrüstung der Freiwilligen Feuerwehr mit sich. Seit ihrer Neugründung im Jahre 1992 führt zuerst Kamerad Gerhard Noack und ab 2003 Kamerad Karsten Steinwedel die Selliner Jugendwehr. Heute benutzt man für die Ausbildung einen Mannschaftstransportwagen mit Anhänger, und eignet sich im Wettstreit mit anderen Jugendwehren, die Ausdauer, notwendige Fertigkeiten und theoretische Kenntnisse für den späteren Einsatz mit der modernen Feuerwehrtechnik der Freiwilligen Feuerwehr Sellin an.

 

Frauen in Bereitschaft

 

Frauen

 

Bis in das Jahr 1963 ist die Freiwillige Feuerwehr Sellin eine reine Männerdomäne. Aber der immer lautere Ruf nach der Gleichberechtigung der Frau macht auch vor diesem Bollwerk männlicher Standhaftigkeit und Tugend nicht halt. Als 1963 die ersten Frauen in die Feuerwehr eintreten, hofft wohl mancher Kamerad im Stillen, seine werte Gemahlin von nun an per dienstlichen Befehl zur Raison bringen zu können!


Doch Filomena Christa, Marie und Kamilla Scholz und Gertrude Schaffer, die als erste 1963 in die Wehr eintreten, lassen sich nicht beirren. Andere Frauen folgen ihrem Beispiel. Und zur Ehre der Männer muss gesagt werden, dass diese selbst ihre Ehefrauen in die Wehr holen. Im Frühjahr 1964 schließen die Frauen sich auf Betreiben der Gemeinde und unter der Leitung von Gertrud Schaffer zu einer eigenständigen Frauengruppe zusammen. Die vorrangigste Aufgabe dieser Gruppe ist der vorbeugende Brandschutz und die damit verbundenen Brandschutzkontrollen vor Ort. Diese Aufgabe ist für die Gemeinde von äußerster Wichtigkeit. Nach dem Krieg sind viele der früher unbeheizten Räume in den Hotels und Pensionen für Wohnzwecke umfunktioniert worden. Um an einen Schornstein zu gelangen gehen die Rohre manchmal durch mehrere Zimmer oder über die verzweigten Flure. Die trockenen Holzfußböden bieten trotz Ofenblechen, umher fliegenden Funken reichlich Nahrung. Abstellräume gibt es kaum. Man lagert und trocknet das Brennholz direkt am Ofen. Oftmals sind auch Koffer, Kartons und Zeitungen dahinter abgestellt. Wohnungsbrände sind daher in dieser Zeit die häufigste Brandursache im Ostseebad Sellin.


Ein Einsatz in der Brandbekämpfung ist für die Frauen nicht vorgesehen. Trotzdem nehmen diese laut Dienstplan an der gesamten Aus- und Weiterbildung, an Schulungen und an allen Übungen teil. „Unsere Feuerwehrfrauen, und natürlich meine eigene, haben an allen Aktivitäten der Feuerwehr teilgenommen, besonders gerne am jährlichen Feuerwehrfest!“, erinnert sich das Ehrenmitglied, Brandinspektor Gerhard Manske gern zurück. Aktiv hat die Frauengruppe bis 1989 bestanden. Und noch heute nehmen die Seniorinnen regen Anteil an der Arbeit ihrer Wehr.